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Willy Brandt

Willy Brandt

Politiker
1913 (Lübeck)–1992 (Unkel/Rhein)

Als junger Mann wählte er statt Knechtschaft in der Heimat das Exil. Zurückgekehrt, wurde er zur Hoffnungsfigur der deutschen Sozialdemokratie. Als erster SPD-Kanzler der Bundesrepublik machte er die Aussöhnung mit den Nachbarn im Osten zum Kern seiner Politik. Das ist das Stenogramm eines Lebens, das im Roman der Deutschen in Wahrheit ein großes, faszinierendes Kapitel ausmacht: Uneheliches Kind kleiner Leute in Lübeck, frühe Entdeckung der Arbeiterbewegung als Großfamilie, Zeitgenosse des Untergangs der Weimarer Republik, Emigrant in Dänemark, Untergrundarbeit in der NS-Diktatur, Augenzeuge des Spanischen Bürgerkriegs, Flüchtling in Norwegen und Dänemark, nach dem Ende des Schreckens Neubeginn mit politischer Arbeit jetzt im welthistorischen Brennpunkt Berlin. Aufstieg in der SPD als charismatischer Redner, Krisenmanager zur Zeit des Mauerbaus, 1961 erstmals Kanzlerkandidat als «deutscher Kennedy», Symbolfigur der Jugend gegen das «alte» Establishment der Bundesrepublik, Projektionsfigur der Intellekturellen für ihren Traum der Symbiose von «Geist und Macht». Die Gegner instrumentalisierten dagegen negativ das Emigrationsschicksal. 1969 endlich die Kanzlerschaft – Zeit der großen Worte, der großen Pläne, der großen Gesten: «Mehr Demokratie wagen», «Neue Ostpolitik», «Wandel durch Annäherung», Kniefall in Warschau, Friedensnobelpreis. 1972 triumphale «Willy»-Wahl. Dann 1974 überraschend der Sturz durch eine kleine schmutzige Spionagegeschichte – aber das Kapitel W. B. ist noch lang nicht zu Ende: Der alte Löwe wird zur internationalen Autorität. 1989, als die Mauer fällt, formuliert er spontan das geflügelte Wort: «Jetzt wächst zusammen, was zusammengehört».

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