„Ich kann mir keinen besseren Ort für den Bau eines Exilmuseums vorstellen als die Portalruine des Anhalter Bahnhofs.“
(Herta Müller)

Der Entwurf

Im Entwurf der dänischen Architektin Dorte Mandrup schwingt sich die Fassade in einem großen Bogen um die Portalruine des Anhalter Bahnhofs. Mit dieser dezenten aber kraftvollen Geste rahmt der Neubau die Ruine in respektvollem Abstand. Das weit aufgespannte Foyer im Erdgeschoss lässt den Eindruck entstehen, als laste das Gebäude auf nur vier Punkten.

Zwischen dem historischen Fragment und dem Neubau entsteht ein weitläufiger freier Platz, der die Brücke von der Vergangenheit in die Gegenwart spannt. Dank des verglasten Foyers bleiben Sichtbeziehungen durch das Gebäude hindurch bestehen. Im Inneren des Museums öffnet sich ein dreistöckiger Luftraum hinter der Ziegelfassade. Von den Galerien in den oberen Stockwerken bieten sich immer wieder Ausblicke auf das Portal.

Der Standort

Vom einst zentral gelegenen Anhalter Bahnhof mit seinem raumgreifenden Gebäude steht heute nur noch die Ruine des Eingangsportals. Von hier aus flohen nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten 1933 unzählige Verfolgte mit dem Zug ins Exil. Für viele Emigranten und Emigrantinnen war der Platz vor dem Anhalter Bahnhof der letzte Ort, an dem sie Berliner Straßenpflaster unter den Sohlen spürten und von dem aus sie ins Ungewisse aufbrachen.

Der Planungsstand

Die Baufläche liegt zwischen der Portalruine des Anhalter Bahnhofs und dem Lilli-Henoch-Sportplatz. Die Neubauplanung umfasst ca. 3.500 qm Nutzfläche für das Museum sowie ca. 700 qm Fläche für Freizeit- und Kulturnutzung durch den Bezirk und Dritte.

Der Abschluss des Erbpachtvertrags mit dem Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg ist für Herbst 2022 avisiert. Mit dem Abschluss des Bebauungsplan-Änderungsverfahrens wird mit Ende 2023 gerechnet. Der Baubeginn ist für 2024 geplant, die Eröffnung des Museums für 2026.

Der Wettbewerb

Zur Realisierung des Museumsneubaus am Anhalter Bahnhof lobte die Stiftung Exilmuseum in Abstimmung mit der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen sowie dem Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg einen internationalen Architekturwettbewerb aus. Eingeladen waren zehn international renommierte Architekturbüros.

Dorte Mandrup über ihren Entwurf für das Exilmuseum

Die Architektin

Die Architektin Dorte Mandrup leitet seit 1999 ein vielfach preisgekröntes Büro in Kopenhagen. Es ist international dafür bekannt, eine skulptural geprägte Architektur mit einem einzigartigen Sinn für den Ort und die Materialität zu schaffen – so z.B. bei der in Dänemark, Deutschland und den Niederlanden umgesetzten "Wattenmeer-Trilogie" oder dem norwegischen Ausstellungszentrum "The Whale".